| Experten fordern Umdenken der Kunden zu mehr Nachhaltigkeit
"Damit im Tourismus ein Umdenken geschieht, müssen die Konsumenten kritischer gegenüber Flugreisen werden", sagt Anja Hergesell, MODUL-Lehrende und Sekretärin einer Plattform für die Förderung von Nachhaltigkeit im Tourismus http://www.besteducationnetwork.org im Gespräch mit pressetext. Als Alternative bleibe nur, dass die Reiseziele aufgrund des Klimawandels ihre Attraktivität verlieren. "Auch das wird Reiseveranstalter treffen, denn sie sind von ihren Destinationen abhängig", bemerkt die Tourismusforscherin. Noch kaum beachtet sieht sie den negativen Effekt durch Geschäftsreisen. "Urlaubsreisen in die Ferne unternimmt man eher selten, doch gerade bei kurzen Geschäftsreisen ist die Umweltbelastung sehr hoch." Für den Nahbereich sei der Umstieg auf die Bahn die beste Alternative. "Die Deutsche Bahn hat gute Angebote für Reisen ins Ausland, mit der ÖBB sind jedoch viele Ziele in die Nachbarländer nicht mehr ohne mehrmaliges Umsteigen erreichbar. Irgendwann endet die freiwillige Bereitschaft, solche Nachteile auf sich zu nehmen", gibt Hergesell zu bedenken. Neben dem Transportweg, der den wichtigster Klimafaktor in der Reisebranche darstellt, fällt auch die Gestaltung des Angebotes vor Ort ins Gewicht. "Der Einsatz von Regionalprodukten oder von erneuerbaren Energieformen sind mögliche Maßnahmen seitens der Betriebe vor Ort", so Hergesell. Für die Kunden sei es jedoch noch schwierig festzustellen, wie klimafreundlich ihr Hotel oder Reiseanbieter ist. "Es gibt zu viele Zertifikate mit sehr unterschiedlichen Kriterien. Wenn auch ein Gütesiegel in einer Region hohe Bekanntschaft erreicht, können die Touristen mit ihm oft nichts anfangen." Die Blume als von der EU propagiertes, einheitliches Gütezeichen habe sich bisher kaum durchgesetzt, so Hergesell. Ernüchterung brachte zudem eine aktuelle Untersuchung unter 210 großen Reiseveranstaltern, die das Wissen über den Klimawandel und die Bereitschaft zu freiwilligen Kompensationszahlungen für den von ihnen verursachten CO2-Ausstoß erhob. "Über Klimawandel und Kompensationen sind alle Tourismusmanager gut informiert. Doch erst drei Prozent der Befragten haben bisher auch tatsächlich Kompensationen geleistet, indem sie etwa Bäume pflanzten oder erneuerbare Energieprojekte in Ländern des Südens finanzierten", sagt Xavier Matteucci, Mitautor der Studie und ebenfalls Lehrender an der Wiener MODUL University. Die ermittelte 50-prozentige generelle Zustimmung zu Maßnahmen des Klimaschutzes zeige die hohe Diskrepanz zwischen Einstellung und Verhalten. Als einzigen Ausweg sieht der Tourismusforscher politische Maßnahmen wie strengere Regelungen oder Förderungen für nachhaltige Reiseangebote. | |||||
Samstag, 6. Dezember 2008
Tourismus: Klimabewusstsein kaum umgesetzt
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